Peter Gössel Büro für Gestaltung

05.05.10

Monokultur in der Überseestadt

Der lächerlich kurze Anleger der sogenannten Marina
Das Bild eines neuen Stadtteils wird wesentlich durch die Menge der Investoren bestimmt, die das Gelände unter sich aufteilen. Je größer die Menge der Bauträger bzw. je kleiner der Beitrag eines einzelnen, eine desto grössere Vielfalt stellt sich dann im Stadtbild ein. Dies hat unmittelbare Auswirkungen auf die Qualität der Wohn- und Arbeitssituationen.

Ein Blick in andere, ehemalige Hafenreviere, die neuer Nutzung zugeführt wurden, zeigt deutliche Unterschiede. In Amsterdam etwa wurde in einem Teil des ehemaligen Hafengebiets die Fläche sehr klein, auf Grundstücke von etwa 6 Meter Breite parzelliert. Diese konnten dann für jeweils einzelne, private Wohngebäude genutzt werden. Die Bauvorschriften wurden der Situation angepasst, so dass zwar jeder große Freiheit im Ausfüllen des Bauvolumens hatte. Gleichzeitig wurde durch eine Kommission sichergestellt, dass keine historisierenden Fassaden entstanden. Herausgekommen sind anspruchsvolle und vielfältige Lösungen in einem kleinteiligen und sehr verdichteten Stadtraum.

Es geht nicht so sehr darum, welche Architektursprache oder Gebäudegröße für einen Standort geeignet scheint. Es geht vielmehr um Nutzungen und um ihre Mischung. Klar, man braucht auch den Mut, die Dinge mal laufen zu lassen. Aber hier in der Überseestadt erscheint mir vieles zu klinisch, zu sehr geplant und überlegt. Und ich finde es auch merkwürdig, dass in diesem Umfeld fast ausschließlich Büro- und Ladenflächen entstehen. Man hat in Süddeutschland etwa erfolgreich Gewerbeflächen für Handwerks- und andere kleinere Betriebe geschaffen.

Stadterneuerung müsste vielmehr auf die Gesamtheit der Stadt bezogen werden. Wenn man die Überseestadt isoliert beplant, muss man sich nicht wundern, wenn sie als isolierter Ort in der Stadt wahrgenommen wird. Das ist nicht nur ein Frage der Verkehrsanbindung oder von langen Sichtachsen. Das ist primär eine Frage von inhaltlichen und funktionalen Verbindungen, sowohl in die unmittelbar angrenzenden Gebiete, als auch in ganz Bremen. Neue Gewerbeflächen wirken sich durch Freiwerden anderer Räume auf die ganze Stadt aus, denn nur wenige Betriebe in der Überseestadt sind Neugründungen.
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